Oktober 2018 - Weingut Abthof aus Hahnheim (Rheinhessen)

„Mit dem Kopf im Himmel und den Füßen auf Erden“ – dieser Leitspruch des Weingutes Abthof in Hahnheim (Rheinhessen) ist nicht einfach so dahin gesagt, sondern wird von der Winzerfamilie Koch gelebt. Darin drückt sich neben der christlichen Haltung auch die Lebenseinstellung aus, gleichzeitig Bewährtes zu erhalten und Visionen umzusetzen. Der Anspruch des Familienweinguts ist es, das Potential des Bodens und der Schöpfung zu bewahren und mit all seinen Facetten ins Glas zu bringen. Sehr gut ins Konzept passt dabei der Anbau pilzresistenter Sorten (Piwis), dem die Familie ein besonderes Augenmerk schenkt.

Vor rund vier Jahren ist Martin Koch komplett in das elterliche Weingut eingestiegen. Nachdem der 33-Jährige ein Doppeldiplom für Weinbau und Kellerwirtschaft an der Hochschule in Geisenheim sowie für Önologie an der Universität in Udine (Italien) absolviert und Erfahrungen in Frankreich, Spanien, Kanada und Bolivien gesammelt hat, zog es ihn zurück in seine rheinhessische Heimat. Nach Hahnheim auf den Abthof, dort, wo die Familie seit fünf Generationen Wein anbaut. „Ich sehe die Natur und damit auch unsere Weinberge als ein Geschenk an. Wir dürfen sie bearbeiten und die Früchte ernten. Vieles haben wir jedoch nicht selbst in der Hand. Umso wichtiger ist es, pfleglich damit umzugehen“, sagt Martin Koch. Gerade in Zeiten, in denen Themen wie Klimawandel und Pflanzenschutz in aller Munde sind, liegt Familie Koch mit dem Sortiment von pilzresistenten Sorten, bei denen fast gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann, absolut im Trend. Bereits seit einigen Jahren bauen die Kochs Sorten wie Solaris, Muscaris und Souvignier gris an. Mit Erfolg, wie unter anderem die Auszeichnungen bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz zeigen.

„Wir haben damit ganz klein angefangen“, erinnert sich Martin Koch. „Man muss für jede Rebsorte ein Gespür entwickeln. Denn jede hat andere Bedürfnisse bei der Pflege, beim Erntezeitpunkt und Ausbau.“ Ihm gehe es darum, die jeweilige Individualität heraus-zukitzeln. Das brauche Zeit und Fingerspitzengefühl. Erst nachdem sein Vater Herbert und er einige Zeit ausprobiert hatten, welche Ansprüche die jeweiligen Piwi-Reben stellen, um gute Weine hervorzubringen, gingen sie in die Vermarktung. Mittlerweile beträgt der Anteil der Piwis an der gesamten Rebfläche von 16 Hektar über 20 Prozent.

Zisterzienser als Vorbild

In diesem Bereich beweist die Familie Pioniergeist und beschreitet neue Wege. Bei einer anderen Rebsorte, dem Gelben Orleans, möchte Martin Koch in erster Linie Tradition und Schöpfung erhalten und die Geschichte fortschreiben. Der Gelbe Orleans ist heute sehr selten. Ab dem 12. Jahrhundert hingegen baute der Zisterzienser-Orden, zur damaligen Zeit einer der bedeutendsten Weinhändler Europas, die Rebsorte unter anderem in Hahnheim an. Als vor einigen Jahren im Kloster Eberbach im Rheingau einige Rebstöcke wiederentdeckt wurden, holte Herbert Koch den Gelben Orleans nach Hahnheim zurück. „Wir haben unseren Weinberg genau dort angelegt, wo auch die Zisterzienser diesen Wein angebaut haben“, informiert Martin Koch. Der Orden ist übrigens auch der Grund, warum Großvater Koch das Weingut „Abthof“ nannte. „Die Zisterzienser haben schon im Mittelalter in unserem Dorf eine Granje, also einen klostereigenen Wirtschaftshof, unterhalten und Weine produziert. Sie sind sehr modern in ihrer Arbeitsweise gewesen.“ Die Mönche tauschten sich regelmäßig aus und reflektierten ihr Tun. Sie hielten an Bewährtem fest und waren offen für Neues. Man kann also sagen, dass Martin Koch in die Fußstapfen der Zisterzienser getreten ist.

Die Zusammenarbeit mit seinem Vater schätzt er dabei sehr. „Ich profitiere von seiner Erfahrung, und wenn ich neue Ideen habe, ist er gerne dabei, diese umzusetzen.“ Das Team wird ergänzt von Martins Mutter Charlotte und seiner Frau Alina. Gemeinsam möchten sie das Weingut weiterentwickeln. Das Thema Piwis wird dabei auch künftig eine große Rolle spielen. „Mein Ziel ist es“, sagt Martin Koch, „die Details für die jeweilige Sorte noch weiter hervorzubringen. Das haben die Produkte und auch die Kunden verdient.“ Außerdem kann er sich vorstellen, die Themen Wein und Spiritualität – in welcher Form auch immer – stärker zu verbinden und den Fokus zu nehmen.

Ein Besuch der Familie lohnt sich aber schon jetzt – natürlich verbunden mit einer Verkostung der Weine. „Zu den normalen Öffnungszeiten sind wir im Weingut anzutreffen. Gerne kann man eine Weinprobe in unserer Vinothek buchen.“ Und wer sich nicht an die Piwis traut, für den stehen auch traditionelle Sorten bereit. Weitere Informationen zum Weingut Abthof sind auf der Internetseite www.weingut-abthof.de zu finden.    

September 2018 - Weingut Thielmann-Schinnen GbR aus Ernst

60 Prozent Steigung, bröckelndes Schiefergestein, harte Handarbeit, Abenteuerlust und Gemeinschaftssinn – das sind die Schlagwörter, für die die beiden Jungwinzer Jana Thielmann und Christian Schinnen stehen. „Wir sind absolute Steillagenfans“, sagen die zwei Moselaner. „Es ist eine anstrengende Arbeit, aber der Wein, der dabei herauskommt, entschädigt für alle Mühen.“ 

Seit Juli 2017 haben Christian Schinnen, der sein Studium als Weinbauingenieur an der Hochschule in Geisenheim im Jahr 2008 abschloss, und Jana Thielmann, die dort 2011 ihren Bachelor in Weinbau und Oenologie gemacht hat,  das Weingut Josef Thielmann in Ernst übernommen. Zusammen meistern sie die alltäglichen Aufgaben. Jana Thielmann ist seit Juli 2012 vollzeitig im Weingut beschäftigt. Es ist also durchaus auch Frauenpower angesagt. Cousin Christian ist seit 2008 dabei. 
Zusätzlich wurden seit Mitte des vergangenen Jahres die Flächen des Weinguts Margaretenhof in Ediger-Eller, dem elterlichen Weingut von Christian Schinnen, hinzugenommen und der Betrieb somit auf rund acht Hektar erweitert. Die Eltern unterstützen die beiden tatkräftig in ihren Arbeiten. Nur wenige Kilometer trennen die Familien. „Gemeinsam kann man mehr erreichen!“, sind sie überzeugt. „Und da wir beide die gleiche Philosophie beim Erzeugen von Wein verfolgen, haben wir unsere Betriebe im vergangenen Jahr zur Thielmann-Schinnen GbR zusammengeschlossen“, informiert Jana Thielmann. Der Weinausbau läuft bereits gemeinsam in Ernst, die Vermarktung noch getrennt. Aber das soll sich mit der Zeit ändern. 
Der Zusammenschluss bringt einige Vorteile mit sich: die Arbeitsersparnis durch eine bessere Organisation und eine höhere Auslastung der Maschinen. „Wir haben das gemeinsame Arbeiten schon über viele Jahre erprobt. Jeder von uns kümmert sich nun um den Bereich, in dem er seine Stärken hat“, sagt Christian Schinnen. Mit ihren Erzeugnissen nehmen sie auch weiterhin an der Landesprämierung für Wein und Sekt teil. „Die Auszeichnungen verleihen uns regional ein hohes Ansehen, und wir bekommen eine objektive Einschätzung und Einordnung unserer Produkte“, betont Thielmann.

Freude und Glück vermitteln
Der Großteil der bewirtschafteten Fläche ist mit Rieslingreben in Steillagen bestückt. Die Arbeit in diesen Weinbergen erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. „Die Steillagen machen unsere Region aus. Uns ist es wichtig, sie zu erhalten. Denn die Weine, die hier wachsen, sind wie die Gegebenheiten der Natur etwas ganz Besonderes“, so Thielmann. Das Ziel der 30-Jährigen und des 33-jährigen Schinnen ist es, „die Freude und das Glück, das wir empfinden – sei es bei der Arbeit in unseren Weinbergen, dem Weinausbau und natürlich beim Genießen unserer Weine – zu vermitteln“. Dabei wollen sie künftig vermehrt auch jüngeres Publikum ansprechen. „Wein ist ja vielmehr als ein Getränk“, sagt Christian Schinnen. Er spiegelt die Landschaft wider, in der er gewachsen ist, und die Persönlichkeiten, die ihn gepflegt haben.“ Jana Thielmann ergänzt: „Wein verbindet den Menschen mit der Natur und die Menschen untereinander beim Genießen.“ 

Eine gute Gelegenheit, die Weine von Thielmann und Schinnen zu genießen, bietet sich in der familieneigenen Straußwirtschaft in Ediger-Eller oder beim dortigen Straßenweinfest am ersten Oktoberwochenende. Das Weingut Thielmann ist im Sommer auf dem Cochemer Weinlagenfest sowie dem Weinfest in der Eifelstadt Kaisersesch, „Esch macht Ernst“, anzutreffen. Interessierte können sich auch für eine Weinprobe anmelden und sich von den Weinexperten beraten lassen. Sollte der Wein dann so gut schmecken, dass das Auto besser stehenbleibt, ist das auch kein Problem. Sowohl Familie Schinnen als auch Familie Thielmann bietet Ferienwohnungen an. Bei letzteren gibt es sogar eine besondere Gästebetreuerin: Hofhündin Oechsle. Dem Namen nach sollte ihr bevorzugtes Revier eigentlich in den Weinbergen liegen. Sie bleibt jedoch lieber zu Hause im Weingut. Immerhin ist ihre Hundehütte ganz stilecht ein Weinfass, und darin scheint es viel gemütlicher zu sein, als in den 60 Prozent geneigten Steillagen.

Wer Näheres über das Weingut, die Familie und deren Weine erfahren möchte, findet Interessantes auf www.weingut-thielmann.de.

Juli 2018 - Vier Jahreszeiten Winzer eG aus Bad Dürkheim

Zeit für Wein – beim Anbau, Ausbau und Genuss
„Bei Euch muss man nichts probieren. Da weiß man, dass alles schmeckt.“ Diesen Satz hört Walter Brahner, Geschäftsführer der Vier Jahreszeiten Winzer eG aus Bad Dürkheim, natürlich gern. Denn ein größeres Kompliment kann ein Kunde einem Winzer nicht machen. Die Aussage ist eine Bestätigung für ein hohes Qualitätsniveau der Genossenschaft über Jahrzehnte hinweg. Wer guten Pfälzer Wein trinken möchte, kommt an den Vier Jahreszeiten Winzern nicht vorbei. 

Ihren Namen verdankt die Winzergenossenschaft der Gaststätte, in der im Jahr 1900 die Gründungssitzung erfolgte. „Das Gasthaus Vier Jahreszeiten war überregional für seine gute Küche bekannt. Die ‚schöne Anna‘ kochte dort hervorragende Gerichte“, erzählt Brahner. Die Gaststätte gibt es heute nicht mehr. Die Vier Jahreszeiten Winzer eG hingegen ist präsent wie nie. 300 Mitglieder sorgen auf 600 Hektar Rebfläche – wobei 35 Winzer rund 90 Prozent der Weinberge bewirtschaften – für die Trauben. Der Rohstoff, aus dem bis zu 200 verschiedene Weine entstehen. „Wir sind sehr breit aufgestellt“, informiert Walter Brahner. „Vom trockenen im Barrique gereiften Spätburgunder bis zur Ortega Auslese ist für jeden Geschmack etwas dabei.“ Außerdem werden die Weine in Kollektionen eingeteilt. „Es gibt sozusagen ein Konsum- und ein Premiumprogramm.“

Erklärtes Ziel: wachsen
In den Vinotheken der Genossenschaft kann man die Weine probieren. Drei waren es bisher in Bad Dürkheim, Freinsheim und Friedelsheim. Nun ist eine vierte in Laumersheim hinzugekommen. Das hängt mit der kürzlich erfolgten Fusion mit der Winzergenossenschaft Palmberg zusammen. „Unser erklärtes Ziel ist es zu wachsen“, betont der Geschäftsführer. „Die WG Palmberg jetzt unter unserem Dach zu haben, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.“ Die Vier Jahreszeiten Winzer waren mit den bisherigen Standorten räumlich an ihre Grenzen gestoßen. In Laumersheim soll nun ein Logistikzentrum entstehen und die Abfüllung zentral gesteuert werden. Dafür wird kräftig investiert. „Der Standort ist mit seiner verkehrsgünstigen Lage und dem vier Hektar großen Grundstück perfekt für unsere Zwecke.“ Die Entscheidung zur Fusion trafen letztendlich die Mitglieder der beiden Genossenschaften und das auf beiden Seiten einstimmig. Das gab es bisher deutschlandweit  so noch nicht. Es ist eine ideale Basis. 
„Das Ergebnis hängt auch damit zusammen, dass wir von Anfang an sehr transparent in den Prozess gegangen sind. Wir haben mit allen Mitgliedern viel gesprochen und sie so von Beginn an auf unserem Weg mitgenommen“, erklärt Brahner. Für ihn ist es absolut wichtig, dass die Winzer sich mit der Genossenschaft identifizieren. Denn das Ziel, qualitativ guten Wein zu erzeugen, gelingt nur, wenn beide Seiten zusammenarbeiten. „Und das ist der Fall. Wir ziehen alle an einem Strang, um unseren Kunden das Beste zu liefern.“ Zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Staatsehrenpreise bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz untermauern die hohe Qualität.

„Wir arbeiten ganz flexibel“
Doch die jetzige Größe der Vier Jahreszeiten Winzer – im Jahr 2008 hatten sie bereits mit der Winzergenossenschaft Friedelsheim, drei Jahre später mit dem Winzerverein Freinsheim fusioniert und 2011 kam das Weingut Gries & Sohn mit unter das Dach – bringt auch Herausforderungen mit sich – vor allem bei der Ernte. „Da wir Flächen von Grünstadt bis Neustadt haben, sind die Trauben oft unterschiedlich reif. Wir arbeiten jedoch ganz flexibel und reagieren auf die äußeren Gegebenheiten“, sagt Brahner. Es wird nicht nach Sorte, sondern nach Lage gelesen. Was dabei herauskommt, können Weinliebhaber nicht nur in den Vinotheken verkosten. Auch Veranstaltungen wie Weinbergswanderungen, eine kulinarische Rheinschifffahrt oder ein Glühweinwochenende bieten die Vier Jahreszeiten Winzer an. Alle anstehenden Termine sind unter www.vj-wein.de zu finden. Dabei kann man sehen und schmecken, wie die Genossenschaft ihr Motto „Zeit für Wein“ in die Tat umsetzt.
Und zu was greift Walter Brahner am liebsten? „Ich trinke gern Rotwein. Ich komme ja aus Württemberg und habe den Rotwein sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Aber bei einem fruchtigen Sauvignon Blanc sage ich auch nicht nein.“ Beides wird er im Angebot der Vier Jahreszeiten Winzer zweifellos finden.  Und egal, wie er sich entscheidet, es schmeckt ja bekanntlich „alles“. 

Juni 2018 - Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr aus Mayschoß

Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr: Die Älteste ihrer Art

Es kann nur eine geben. Die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr ist die älteste eingetragene Winzergenossenschaft der Welt. 1868 gegründet feiert sie in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. 430 Mitglieder, 150 Hektar Anbaufläche 1,3 Millionen Flaschen durchschnittliche Jahresproduktion, 1,6 Millionen Lagerkapazität. Schon die nackten Zahlen sind beeindruckend. Doch es lohnt ein genauerer Blick.

Vom 31. August bis zum 2. September wird an der Ahr gefeiert. Genauer gesagt in Mayschoß. Denn dann steigt das Jubiläumsfest der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr mit Festzelt, Musik und vielen Gästen. 18 Mitglieder zählte der „Mayschoßer Winzerverein“ bei seiner Gründung. Der Grundstein war gelegt. 1982 wurde die Fusion mit der „Winzergenossenschaft Altenahr“ beschlossen. Vor neun Jahren kam die damalige „Winzergenossenschaft Walporzheim“ hinzu. 


Heute führt Matthias Baltes die Geschäfte: „Wir sind stolz auf eine solch lange Tradition, ruhen uns aber nicht auf den Lorbeeren aus. Es ist uns wichtig, uns ständig weiterzuentwickeln, Trends zu beobachten und auf die Wünsche unserer Kunden einzugehen.“ Gerade in den letzten 15 Jahren hat sich an der Ahr viel verändert. Weg vom Massentourismus ging es mit Wanderern, Radfahrern und Familien mehr hin zu Genussurlaubern. 

Alles handverlesen
Das passt zur Winzergenossenschaft. Hier stehen die Qualität der Weine und die Verbundenheit zu den Winzern im Fokus. 250 der 430 Mitglieder betreiben aktiv Weinbau, viele davon im Nebenwerb. „Sie erledigen alle Arbeiten im Weinberg und verkaufen uns dann ihre Trauben. Um den Ausbau im Keller und die Vermarktung kümmern wir uns. Das ist für viele ein gutes Konzept“, erklärt Baltes, der die Winzergenossenschaft gerne als Weingut bezeichnet. „Der Grund: „Wir agieren wie ein Weingut.“ So bekommen die Winzer beispielsweise Vorgaben, welche Rebsorten sie anpflanzen dürfen, es wird mit Hektarhöchsterträgen und Qualitätsprogrammen gearbeitet. „Handlese versteht sich in unseren Steillagen ohnehin von selbst und auch auf die Selektion der faulen Beeren legen wir großen Wert. Das ist vor allem beim Rotwein unabdingbar.“ 


Mit rund 75 Prozent liegt der Schwerpunkt der Genossenschaft klar beim Rotwein. Spätburgunder ist die dominierende Sorte. Ausgebaut wird er, wenn möglich, in Holzfässern. „Wir sind der Meinung: Die Weine, die ins Holz können, sollen ins Holz“, sagt Geschäftsführer Baltes und spricht dabei auch für die Kellermeister Rolf Münster und Astrid Rickert. Gearbeitet wird dabei mit kleinen Barrique-Fässern und größeren Holzfässern aus Ahr-Eiche. „Uns ist es wichtig, hier einen Rohstoff aus unserer Region zu nutzen.“ Daneben werden Roséweine und der voll im Trend liegende Blanc de Noir produziert. Für die Ahr besonders: die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr erzeugt auch hervorragende Weißweine. „Wir sind an der Ahr die Weißweinspezialisten. Gerade jetzt im Sommer machen unsere Rieslinge, Weißburgunder oder unsere Cuvée aus Grauburgunder und Chardonnay richtig Spaß“, ist Baltes überzeugt.

Verbundenheit ist groß
Mit ihren Weinen, sowohl rot als auch weiß, hat das Team der Winzergenossenschaft schon viele Auszeichnungen gewonnen. Bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sind sie ganz vorne mit dabei. „Wenn wir die goldenen Kammerpreismünzen auf unsere Flaschen kleben können, ist das ein riesiges Verkaufsargument. Gerade Privatleuten, die über die Hälfte unserer Kunden ausmachen, bieten die Auszeichnungen eine gute Orientierung“, so Vertriebsleiter Rudolf Stodden. 


Für die Zukunft möchte sich Matthias Baltes noch mehr auf die Burgundersorten konzentrieren. Spät-, Früh-, Weiß- und Grauburgunder sollen im Mittelpunkt stehen. „Wir werden weiterhin auf Qualität setzen und uns noch mehr spezialisieren.“ Dabei sei es stets wesentlich, die Mitglieder zu beteiligen und mitzunehmen. Ob bei großen Investitionen wie der neuen Kellertechnik vor einigen Jahren oder bei der Aufnahme neuer Winzer – die endgültige Entscheidung liegt bei den Mitgliedern. 


Baltes betont die besondere Verbundenheit der Winzer zur Genossenschaft: „Viele schauen im Keller vorbei oder helfen in unseren drei Vinotheken. Es herrscht ein überaus gutes Verhältnis.“ Die Winzer seien stolz zu sehen, was aus ihren Trauben entstehe. „Es ist eine Win-win-Situation. Denn wir sind froh, ein erstklassiges Ausgangsprodukt zu bekommen.“ Auch die 33 festangestellten Mitarbeiter und rund 100 Aushilfen identifizieren sich mit der Genossenschaft. Als kleines Dankeschön schmücken ihre Konterfeis jetzt die Etiketten der beiden Jubiläumsweine, einem 2016er Spätburgunder trocken und halbtrocken. „Schon allein das macht diese beide Weine zu etwas Besonderem“, sagt Baltes. 


Wer nun Lust bekommen hat, die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr direkt vor Ort zu entdecken, kann das in deren Vinotheken und Straußwirtschaften, bei Veranstaltungen oder am Jubiläumswochenende tun. Für den Einstieg bietet sich die Internetseite www.wg-mayschoss.de an. Dort zu finden ist übrigens auch ein Wein-Shop.

Mai 2018 - Weingut Steigerhof aus Altenbamberg

„Ein Mensch ist nur so stark, wie er lustig sein kann“

Am 5. Mai haben sie sich zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt: die „NaheweinRebellen“ – zehn Jungwinzer, die ihr Anbaugebiet fördern wollen, indem sie die Rebellion für den guten Geschmack herbeirufen. Eine von ihnen ist Barbara Wollschied. Zusammen mit ihren Eltern Josef und Rita betreibt sie das Weingut Steigerhof in Altenbamberg und hält Weinproben in einem besonderen Ambiente.

Wer in der Gemarkung Altenbamberg unterwegs ist, dem fällt ein besonderes Weinbergshäuschen ins Auge – bestehend aus Backsteinen, zweistöckig, mit Balkon. Vor einigen Jahren hat Familie Wollschied das um 1900 im Jugendstil erbaute Häuschen in Zusammenhang mit einem Weinberg gekauft und liebevoll restauriert. Jetzt kann man dort unter anderem den Wein der Wollschieds probieren. „Für Personen, die gut zu Fuß sind, bieten wir hier Weinproben an“, informiert Rita Wollschied, die im Betrieb vor allem für Verkauf und Marketing zuständig ist. Denn das gute Stück liegt im Steilhang und ist nicht mit dem Auto zu erreichen. „Aus Sicherheitsgründen dürfen wir es auch nicht für Feiern vermieten.“ 
Daher ist eine Weinprobe direkt in den Weinbergen ein echtes Highlight. Probiert werden dabei selbstverständlich ausschließlich Wollschied-Weine. Neben der Hauptrebsorte Riesling haben sich auch Burgunder- und fruchtig-frische Bukettsorten wie Bacchus oder Gewürztraminer im Sortiment etabliert. „Wein ist eines der schönsten Produkte der deutschen Nahrungsmittelerzeugung. Wir möchten damit ein gutes Stück mehr Lebensqualität vermitteln“, sagt Josef Wollschied. Zusammen mit seiner 26-jährigen Tochter, die 2013/14 die Nahe als Gebietsweinkönigin repräsentieren durfte, kreiert er die Weine und bewirtschaftet Weinberge in dem idyllischen Seitental der Nahe. Bevor die Leidenschaft zum Wein übergesprungen ist, zog es Barbara jedoch in eine andere Sparte: „Ich wollte zuerst Getränketechnologie studieren und habe in einer Brauerei gearbeitet. Aber eine spontane Eingebung hat mich zum Wein geführt, und ich habe es nicht bereut.“ Ihre Erfahrungen, die Barbara aktuell in einer Großkellerei sammelt, setzt sie gekonnt ein und schätzt den Kontrast zwischen Industrie und Familienbetrieb. „Nirgends kann man das Nachhaltigkeitsdenken so gut umsetzen wie an diesem Standort. Wir setzen auch in Zukunft auf die Herkunft und die Arbeit in Einklang mit der Natur“, sind sich Vater und Tochter einig.

Noch Luft nach oben
Nicht fehlen darf bei der Arbeit neben der hohen Fachkompetenz der Humor. Das Motto der Familie lautet: „Ein Mensch ist nur so stark, wie er lustig sein kann.“ Und so antwortet Barbara Wollschied auf die Frage „Wo steht Ihr Weingut in zehn Jahren?“ mit „Hoffentlich noch auf dem Steigerhof!“ und lacht. „Nein, im Ernst, ein Wunsch wäre, das Weinsortiment zu reduzieren und den Schwerpunkt auf Premiumweine zu legen“, erklärt sie. Schon jetzt schneiden die Weine etwa bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gut ab. Einige Flaschen sind mit Kammerpreismünzen dekoriert. „Damit bekommen unsere Weine die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.“ Es sei jedoch noch Luft nach oben, ist die Juniorchefin überzeugt. 
Aufmerksamkeit bekommt das Weingut Steigerhof momentan auch durch die neu gegründeten „NaheweinRebellen“, wobei der Fokus dabei nicht auf dem einzelnen Weingut liegt. Die zehn Jungwinzer propagieren den Genuss hochwertiger regionaler Weine. „Bei uns steht die Gemeinschaft im Vordergrund ohne Konkurrenzdenken“, betont Barbara Wollschied. Zusammen möchte man das Anbaugebiet Nahe mit frischen Impulsen weiter nach vorne bringen.
Josef und Rita Wollschied sind offen für Barbaras neue Ideen. Sie freuen sich, dass ihre Tochter die Leidenschaft zum Weinbau entdeckt hat und die Familientradition weiterführen will. Barbara wiederum profitiert von der Erfahrung ihrer Eltern. „Die Erhaltung der Kulturlandschaft und das stetige Optimieren der Qualität unserer Weine bilden für uns die Kernaufgabe. Wir nutzen die Bodenvielfalt, die uns die Nahe bietet, um besondere Tropfen zu erzeugen“, sagt Josef Wollschied. Auf den Rhyolithböden in den Lagen Schloss- und Kehrenberg wachsen feingliedrige, spritzige und mineralreiche Weine, die den Erzeugern und den Kunden Freude machen. Wer Näheres über das Weingut, die Familie und deren Weine erfahren möchte, findet Interessantes auf www.weingut-steigerhof.de.

April 2018 - Familienweingut Fitz-Schneider aus Edenkoben (Pfalz)

„Der Beruf ist so abwechslungsreich wie kein anderer“
„Ich bin bei uns die Kellerassel“, sagt Christine Schneider. Eigentlich würde man die quirlige, aufgeschlossene 27-Jährige nicht mit den krebsartigen Tierchen in Verbindung bringen. Aber ihr Lieblingsarbeitsplatz ist der Keller. Von daher passt der Begriff schon. Christine Schneider ist die Kellermeisterin im Familienweingut Fitz-Schneider in Edenkoben (Pfalz) und kreiert dort ihre Weine, vorwiegend Burgundersorten. Nebenbei ist sie seit zwei Jahren als Sachverständige in der Qualitätsweinprüfung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP) tätig.

Jetzt, wenn draußen wieder alles sprießt, blüht auch Christine Schneider so richtig auf: „Ich liebe unsere Pfalz und könnte mir nie vorstellen, woanders zu leben. Die Mentalität und die Gastfreundschaft sind einfach der Wahnsinn. Unser Klima lässt Feigen, Kiwis, Mandel- und Orangenbäume wachsen. An der Hauswand meines Opas gibt’s sogar Melonen!“ Was noch hervorragend wächst, ist natürlich der Wein. Knapp 14 Hektar Weinberge bewirtschaftet Familie Fitz-Schneider. Dabei ist Papa Ludwig vor allem für die Feldarbeit zuständig. Mama Erna kümmert sich ums Gästehaus, den Verkauf und das Büro und Christine Schneider, die eine Ausbildung zur Weinbautechnikerin absolviert hat, stieg 2013 in den Betrieb ein und ist seit zwei Jahren für den Keller verantwortlich. Seit vergangenem Jahr nimmt sie erfolgreich am Wettbewerb „Junge Südpfalz“ teil. In diesem Jahr kürte sie das Genussmagazin „Selection“ zur besten Pfälzerin, und auch bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der LWK RLP räumt Christine Schneider regelmäßig Medaillen ab. Dort und in der Qualitätsweinprüfung ist sie zudem selbst als Prüferin tätig. Dafür wurde sie fachmännisch geschult und musste eine Prüfung ablegen. „Ich finde es sehr interessant zu schmecken, was sich auf dem Weinmarkt befindet und wohin sich der Trend entwickelt“, sagt sie. Apropos schmecken, schmeckt sie ihren eigenen Wein heraus? „Nein, das ist bei so vielen Proben unmöglich. Aber das ist auch gar nicht die Zielsetzung“, betont Christine Schneider. „Wir machen ja eine Blindverkostung, bei der das Etikett nicht zu sehen ist. Es läuft absolut neutral ab.“ Es geht darum, die Qualität der Weine objektiv nach vorgegebenen Kriterien zu bewerten. „Und genau das tun wir.“ Jeden Monat ist die Jungwinzerin bei etwa zwei Probeterminen dabei. „So bleibe ich in Übung.“ 

Das Spinnrad als Erkennungssymbol
Der Beruf Winzer ist Christine Schneider sozusagen in die Wiege gelegt worden. Beide Elternteile kommen aus jeweils einem Weingut und fusionierten die Betriebe. „Der Beruf ist so abwechslungsreich wie sonst kein anderer“, schwärmt die Pfälzerin. Sie hat sich auf die Fahne geschrieben, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. „Unsere Weine spiegeln die Kraft, den Ausdruck des Jahrgangs, den Standort der Rebanlage und die Menschen wider. Jeder Wein erzählt seine eigene Geschichte.“  Wie auch das Logo, das Christine Schneider eingeführt hat, eine Geschichte erzählt. „Das Spinnrad steht nun im Mittelpunkt unseres Etiketts. Es symbolisiert die Arbeit mit dem Ursprünglichen und Entstehung von Neuem – so wie aus den Trauben unsere Weine hervorgehen. Erst wenn es sich in Bewegung setzt, kann ein Stoff entstehen“, erklärt die Winzerin. Passend dazu hat sie den drei von ihr produzierten Qualitätsstufen unterschiedlich wertige Stoffe zugeordnet. Leinen steht für die Gutsweine, Wolle für die Ortsweine und Seide für die Lagenweine. „Außerdem hat das Spinnrad noch eine ganz persönliche Bedeutung für uns. Meine Oma Sieglinde Fitz war nämlich gelernte Näherin“, verrät Schneider. 


Es ist deutlich zu merken, wie wichtig Christine Schneider die Familie ist. „Wir arbeiten Hand in Hand und lernen voneinander, um das Beste für unseren Betrieb herausholen“, ist sie überzeugt. Und wie sehen die Ziele für die Zukunft aus? „Mein Ziel ist es, den kompletten Wein auf der Flasche zu vermarkten und in den nächsten Jahren im regionalen Fachhandel vertreten zu sein.“ Der Anfang ist gemacht. Jetzt gilt es dran zu bleiben, um neue Kunden zu gewinnen und zu begeistern. 
Weitere Infos zum Weingut Fitz-Schneider gibt es auf der Internetseite www.wein-fitz-schneider.de.

März 2018 - Vereinigte Weingüter Schittler & Becker aus Zornheim

Jungwinzerin Julia Schittler – die Herrin im Weinkeller

Weißes Gold wird der Spargel häufig genannt. Wer könnte dazu ein besserer Begleiter sein als der Wein „Weißgold“ von Jungwinzerin Julia Schittler? Im Weingut ihrer Eltern in Zornheim und Weinolsheim (Rheinhessen) ist die 27-Jährige von der Lese bis zur Füllung für die Weine verantwortlich. Jetzt, wo sich der Winter langsam, aber sicher verabschiedet und dem Frühling Platz macht, steht die Spargelzeit bald vor der Tür. Es ist also der ideale Zeitpunkt, sich mit dem passenden Wein einzudecken.

Die 2017er Cuvée „Weißgold“ ist einer der sieben Weine aus Julia Schittlers eigener Linie. Bestehend aus Scheurebe, Riesling und Weißem Burgunder, gereift am Zornheimer Berg. „Hier wachsen die Reben auf Lehm-Löss- und Kalkböden, die im Sommer eine schöne Blumenwiese hervorbringen, auf der sich oftmals viele Schmetterlinge tummeln. Der Wein beinhaltet eine leichte Kräuternote sowie einem Touch von Zitrusfrüchten.“ All diese Komponenten finden sich auf dem Flaschenetikett der Cuvée wieder – wie bei allen Weinen der Julia Schittler-Linie. „Denn jeder Wein bringt eine Geschichte mit.“ Jedes Etikett ist eine Collage der typischen Eigenschaften und anderen maßgeblichen Faktoren wie dem Charakter der Rebsorte, des individuellen Bodens und den dort lebenden Tieren und Pflanzen. Durch die Scheurebe hat der „Weißgold“ ein leicht fruchtiges Bukett, der Riesling bringt die Lebendigkeit und der Weiße Burgunder die Länge und den Schmelz für den Wein mit. „Ein Zusammenspiel, das perfekt zum Spargel passt.“

„Möchtest du nicht einen gescheiten Beruf lernen?“
2014 ist Julia Schittler in das Weingut ihrer Eltern Hans-Jürgen Schittler und Simone Becker-Schittler – beide Winzer – eingestiegen und hat es kräftig aufgemischt. „Möchtest du nicht einen gescheiten Beruf lernen?“, fragten die Eltern, als Julia ihnen eröffnete, Winzerin werden zu wollen. Doch sie war sich sicher: das ist das Richtige für mich. Einige Jahre später weiß sie, dass sie Recht hatte: „Die Vielseitigkeit des Berufes ist unschlagbar, Work-Life-Balance in Verbindung mit großem Business.“ Julia Schittler genießt das Glück, absoluten Handlungsfreiraum im Weingut zu haben und ihre Ideen einzubringen. Daran ist sie persönlich enorm gewachsen. „Besonders in Rheinhessen spiegeln sich die Innovationen der jungen Winzer. In den vergangenen Jahren hat sich hier einiges getan. Unter anderem in der Qualität und im Weinmarketing können wir uns auf internationaler Ebene sehen lassen“, betont Schittler und ist froh, Teil davon zu sein.
40 Hektar Weinberge bewirtschaftet die Familie in erster Linie in der Zornheimer Gemarkung. Vater Hans-Jürgen, für den Außenbetrieb und die Weinlese verantwortlich, kommt aus einem Weingut in Weinolsheim und Mutter Simone, die den Vertrieb und die Events managt, aus einem Betrieb in Zornheim. Diese beiden Weingüter gibt es immer noch, heute unter dem Namen „Vereinigte Weingüter Schittler & Becker“. „Deshalb haben wir zwei Standorte“, erklärt Tochter Julia. In Zornheim liegen die Hauptweinberge, der Vertrieb für die Privatkundschaft und der Bereich Gutsschenke/Events. Am Standort Weinolsheim sind der Hauptweinkeller – Julias Wirkungsstätte – und der Vertrieb für den Fachhandel angesiedelt.

Opa Wilfried ist stolz auf Julias Erfolge
Julia Schittler setzt ihr Motto „Man sollte nie von seiner Vision abschweifen.“ jeden Tag um: charakterstarke Weine vom Zornheimer Berg zu kreieren und ein klar strukturiertes Familienweingut mit einer einzigartigen Weinstilistik zu schaffen, die Weinkonsumenten und  Fachkritiker gleichermaßen begeistert. Dabei ist sie absolut authentisch und selbstkritisch und lässt ihre eigenen Emotionen einfließen – eine erfolgreiche Kombination. 
An der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz nimmt die Familie teil, um zu sehen, wo ihre Weine im Vergleich stehen. „Natürlich soll der Wein der Kundschaft schmecken und Spaß machen. Jedoch ist es für uns Winzer hoch interessant, die Weine von Fachkritikern bewerten zu lassen und dadurch stets an sich selbst zu wachsen“, ist Julia Schittler überzeugt. Und sie wächst – genau wie ihre Erfolge. Einige ihrer Weine sind bereits mit der Goldenen Kammerpreismünze ausgezeichnet worden. Besonders stolz macht das Opa Wilfried, der mit seinen 78 Jahren immer noch für das Weingut brennt.

Auch der „Weißgold“ wurde passend zu seinem Namen mit der Goldenen Kammerpreismünze prämiert. 7,10 Euro kostet eine Flasche. Wer ihn vor dem Kaufen probieren möchte, kann das im Weingut in Zornheim gerne tun. Dafür bietet sich ein Besuch in der Gutsschenke der Familie an. Unter dem Motto „Wir freuen uns auf den Frühling“ können Gäste 2017er Weine und Gerichte passend zum Frühling genießen. Für diesen Event vom 9. bis 11. März und vom 16. bis 18. März nehmen die Schittlers unter der Telefonnummer 06136/44790 Reservierungen entgegen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite unter www.schittler-becker.de.

 

Februar 2018 - Weingut Scheidgen aus Hammerstein

„Es ist grandios, was aus einem Riesling werden kann“, sagt Georg Scheidgen mit leuchtenden Augen und Blick auf sein Weinglas. Darin: seine Riesling Spätlese halbtrocken aus dem Jahr 2016. „Für einen Riesling hat er sehr wenig Säure, aber ganz viel Frucht“, bemerkt der Mittelrhein-Winzer stolz.

Nicht nur Scheidgen selbst ist begeistert von diesem Wein. Auch die Prüfer der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz waren es. Sie vergaben nicht nur die Goldene Kammerpreismünze, sondern bewerteten die Spätlese der Hammersteiner Lage „In den Layfelsen“ sogar mit der Höchstpunktzahl von 5 Punkten. Das Motto der Prämierung „Münze drauf – Qualität drin“ ist hier mehr als erfüllt. Qualität ist auch das, was für das Weingut Scheidgen aus Hammerstein an oberster Stelle steht. „Für uns gilt immer: Hohe Qualität geht über größtmöglichen Ertrag“, informiert Georg Scheidgen, der das Weingut in siebter Generation führt. Tradition und Innovation schließen sich hier nicht aus, sondern sind untrennbar miteinander verbunden. Bewährtes Wissen von Generationen, verbesserte Anbaumethoden und ständige Verfeinerungen im Ausbau sind die Komponenten, um das Ziel der stetigen Qualitätssteigerung zu erreichen.

Noch 1.400 Flaschen auf Lager
Der Weinbau der Familie ist umweltschonend ausgerichtet. Ein besonderes Augenmerk legen die Scheidgens, die 22 Hektar bewirtschaften, auf den Erhalt und die Pflege alter Reben. Georg Scheidgen betont: „Wir kümmern uns lieber um den Erhalt und die Bewirtschaftung traditioneller Rebsorten abseits von Trends und kurzlebigen Moden. Unsere Weine sind die spannende Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne.“
Auch die Rebstöcke, an denen die Riesling Spätlese gereift ist, sind bereits 45 Jahre alt. Die kleinbeerigen Trauben sind handverlesen und wurden ohne Reinzuchthefe über vier Monate vergoren. „Ich sage immer Qualität kommt von quälen. In unsere Riesling Spätlese haben wir ganz viel Handarbeit gesteckt. Aber die großen Mühen haben sich am Ende gelohnt“, so Scheidgen, der den Wein beispielsweise als Begleiter zu einer gebratenen Poulardenbrust auf Chinakohl empfiehlt. Bei dem halbtrockenen Riesling stimmt mit 9,80 Euro pro Flasche auf jeden Fall das Preis-Leistungsverhältnis. Bleibt zu hoffen, dass er noch nicht ausgetrunken ist. Hier kann der Winzer beruhigen: „Wir haben noch rund 1.400 Flaschen auf Lager. Man kann sich also noch gut damit eindecken.“

Exklusive Weinprobe in Hammerstein
Kaufen können Interessierte den Wein vor Ort in Hammerstein. Weinberatung und Verkauf bieten die Scheidgens montags bis samstags jeweils von 8 bis 19 Uhr sowie sonn- und feiertags von 9.30 bis 18 Uhr an, wobei Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten davon ausgeschlossen sind. Neben guten Weinen gibt es außerdem Winzersekte, Destillate und Liköre, Rieslingsenf, Traubenkernöl, Gelees und andere Köstlichkeiten zu entdecken. „Man hat auch die Möglichkeit, mit uns eine exklusive Weinprobe zu vereinbaren“, informiert Georg Scheidgen. Und wer die Region um Hammerstein und den Mittelrhein noch besser kennen lernen will, kann sich in den dem Weingut zugehörigen Ferienwohnungen einquartieren. 

Nähere Informationen zum Weingut Scheidgen sind unter www.weingut-scheidgen.de zu finden.

 

Januar 2018 - Weingut Philipps-Eckstein aus Graach an der Mosel

„Geduld – mit der Zeit wird aus Gras Milch“, so heißt es in einem chinesischen Sprichwort. Für den Mosel-Winzer Patrick Philipps aus Graach-Schäferei könnte man das Sprichwort wie folgt abändern: „Geduld – mit der Zeit wird aus einem guten Wein ein hervorragender.“ Denn das trifft auf seine Riesling Auslese der Lage Graacher Himmelreich zu. 

Vor gut 14 Jahren wurden die Trauben geerntet und jetzt erhielt der Riesling bei der Landesprämierung für Wein und Sekt der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP) nicht nur die Goldene Kammerpreismünze, sondern mit 5 Punkten die Höchstwertung. „Das kommt sehr selten vor. Aber von diesem Wein waren alle unsere Prüfer so überzeugt, dass es kein anderes Urteil geben kann“, sagt Christa Lenhardt von der LWK.
Überzeugt von seinem Wein war auch Patrick Philipps, als er ihn nun bei der LWK RLP zur Bewertung abgab. „Wir haben diesen Riesling am 9. Dezember 2003 bei Minustemperaturen mit 117 Öchsle geerntet, im April 2004 abgefüllt und dann bis 2016 im Weinkeller gelagert“, erzählt er. „Jedes Jahr wurde eine Flasche probiert, um die Reifeentwicklung zu verfolgen. 2016 war ich dann der Meinung, dass der Wein optimal gereift ist und angeboten werden kann.“ Bei der Handlese 2003 kamen nur die besten Trauben der über 100 Jahre alten Reben mit nach Hause. Dort hat Philipps sie gekühlt vergären lassen und im Edelstahltank ausgebaut. Und so macht die Riesling Auslese der Lage Himmelreich – eine der besten Lagen an der Mosel – alle Ehre. Entstanden ist ein sehr gereifter Steillagen-Riesling mit viel Extrakt sowie guter Süße und Säure, der auch die Prüfer der Landesweinprämierung begeisterte.

32 aus 18.251 erreichen 5 Punkte
Die Landesprämierung für Wein und Sekt ist ein von der LWK RLP jährlich durchgeführter Wettbewerb. Neutrale Sachverständige bewerten die eingereichten Weine und Sekte in einer Blindverkostung. Das heißt, das Etikett ist für sie nicht sichtbar. In einem für alle Erzeugnisse identischen Bewertungsschema vergeben die geschulten Prüfer Punkte in den Rubriken Geruch, Geschmack und Harmonie. Alle Winzer, Kellereien und Erzeugergemeinschaften, deren Weine oder Sekte aus Rheinland-Pfalz erfolgreich an der Qualitätsweinprüfung teilgenommen haben und eine amtliche Prüfnummer besitzen, können ihre Erzeugnisse einreichen. Im vergangenen Prämierungsjahr waren dies insgesamt 18.251 Weine und Sekte. Dass die Höchstbewertung von 5 Punkten – bei einer durchschnittlichen Punktzahl von 4,5 bis 5 Punkten bekommt ein Erzeugnis die Goldene Kammerpreismünze, bei 4 bis 4,49 Punkten die Silberne und bei 3,5 bis 3,99 Punkten die Bronzene – etwas ganz Besonders ist, zeigt, dass sie nur 32 der 18.251 Erzeugnisse erhielten.

Lieblingswein? Natürlich der Riesling!
„Ich sehe die Prämierung als Qualitätsbestätigung meiner Weine und auch als guten Werbeträger“, sagt Patrick Philipps, den die Lust, gute und wertige Weine zu erzeugen, dazu bewegt hat, Winzer zu werden. Der gelernte Bürokaufmann hat den Betrieb im Herzen der Mittelmosel, wo zu 90 Prozent im Steilhang und zu 95 Prozent die Rebsorte Riesling angebaut wird, 1998 als Quereinsteiger übernommen. „Die Arbeit im Weinberg und Keller habe ich aber von Kind auf von meinem Vater gelernt“, berichtet er. Das Weingut Philipps-Eckstein besteht seit dem Jahr 1968. In der Familie wird jedoch bereits seit dem 17. Jahrhundert Wein angebaut.  „Meine Philosophie ist die Erzeugung von hochwertigen Weinen aus der Steillage und das Selektieren für die fruchtige Note“, beschreibt Philipps sein Wirken. Mit Erfolg – zahlreiche Auszeichnungen zieren den Familienbetrieb. Wie die der 2003er Riesling Auslese. 
Noch hat Patrick Philipps einige Flaschen davon in seinem Keller. Für 74,97 Euro pro 0,75 Liter kann man den edlen Tropfen erwerben. „Diesen Preis hat die Auslese bei der Versteigerung des Bernkasteler-Rings erzielt“, erklärt Philipps. Sehr gut passe der Riesling zur asiatischen Küche, so der Winzer. Oder man nehme sich ein wenig Zeit für sich und genieße ihn einfach. Vielleicht ist die Auslese ja so gut geworden, weil sie auch Patrick Philipps eigenen Geschmack trifft. Denn auf die Frage nach seinem Lieblingswein antwortet er: „Natürlich der Riesling, gerne feinherb und lieblich.“ 

Weitere Informationen zum Weingut Philipps-Eckstein und den Weinen finden Sie auf deren Homepage >>>

© Weingut Abthof

© Weingut Josef Thielmann

Nicht nur der zweite Kellermeister Frank Flickinger (l.) und Geschäftsführer Walter Brahner legen Wert auf höchste Qualität.

© Vier Jahreszeiten Winzer eG